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Allgäu: Bücher :Kommissar Kluftinger - Schutzpatron

Am 30.Mai 2011 war es endlich wieder soweit; der neue Kluftinger, "Schutzpatron", ist erschienen.

Rezension: "Schutzpatron": Kluftingers sechster Streich
 
Vor 30 Jahren wurden unter der Burgruine Kalden ein sagenhafter Schatz gefunden, darunter befand sich eine Reliquie des Schutzpatrons des Allgäus, dem Heiligen Magnus. Eine Wanderausstellung präsentierte den kostbare Fund auf der ganzen Welt, nun endlich soll er wieder ins heimische Altusried zurückkehren.
Kluftinger wird mit der Sicherung dieser Kostbarkeit beauftragt und wird zur Teilnahme an einer Arbeitsgruppe verdonnert. Dabei soll er außerdem den Tod einer alten Frau aufklären, deren Ableben zunächst als natürlich eingestuft wurde. Nun deutet alles auf Mord hin. Und nun wird auch noch die wertvolle Reliquie gestohlen.

Im Laufe der Ermittlungen stellt Kluftinger fest, dass es zwischen dem Schatz und dem Mord eine Verbindung gibt.
Doch Kluftingers Ermittlungen geraten ständig ins Stocken. Erst wird ihm das Auto gestohlen – was natürlich keiner wissen darf, weder Kollegen noch die eigene Ehefrau, denn der Diebstahl ist Kluftinger schrecklich peinlich. Seine Ausreden bringen in oft in Bedrängnis, besonders da Dr. Langhammer ihm wieder zur Seite steht.

 

Auch im sechsten Fall bleiben Michael Kobr und Volker Klüpfel ihrem Konzept treu: Kluftinger, Krimi und Klamauk. Ihr kauziger Kommissar Kluftinger beweist erneut, dass moderne Technik nicht seine beste Freundin ist. Hinzu kommt allerlei Zwischenmenschliches, was Kluftinger fortwährend mit seinen Mitmenschen aneinandergeraten lässt. Herrlich skurril sind die Versuche des Kommissars, den Diebstahl seines geliebten Passats zu vertuschen versucht.
Ohne Klamauk geht es bei Kluftinger eben nicht, doch den Autoren gelingt es, dass sich Humor und Spannung die Waage halten, auch wenn der Humor eine Unze die Nase vorn hat. Die Handlung jedoch ist durchweg spannend erzählt. Die Diebesbande, die den Raub an der Reliquie so akribisch plant, erinnert stark an den Film "Ocean's Eleven", doch verleihen Michael Kobr und Volker Klüpfel ihnen ihren ganz eigenen Charme. Glaubwürdig verbinden sie die Handlungsstränge miteinander, so dass ein stimmiges Bild am Ende des Falles steht. Auch die Geschichte des Allgäus findet am Rande Erwähnung, was dem Roman zusätzliche Authentizität verleiht.

Natürlich gibt es wieder allerlei Drumherum, so wurde Langhammers Auto gestohlen, was er aus Scham geheim hält. Und natürlich fehlt auch Dr. Langhammer nicht in "Schutzpatron".

Mit "Schutzpatron" ist dem Autoren-Duo ein weiterer gelungener Fall für Kommissar Kluftinger gelungen.

Leseprobe

Prolog

»Wotan?« Reglos lauschte er in die vorabendliche Stille hinein. Kein Laut. Er

drehte sich einmal um die eigene Achse, doch das diffuse Licht der heraufziehenden Dämmerung, das durch die Wipfel der knorrigen Bäume hinunter zum feuchten Waldboden drang, ließ ihn nur wenige Meter weit sehen.

»Wotan!«

Wie immer, wenn er den Namen rief, war er ihm ein wenig peinlich. Selbst schuld, dachte er, niemand hat dich gezwungen, deinem winzigen Hund einen derart martialischen Namen zu geben. Aber er hatte den Kontrast so putzig gefunden: der kleine Dackel mit den krummen Beinchen und der Name der germanischen Gottheit. Langsam begann er sich Sorgen um ihn zu machen. Es war nicht Wotans Art, einfach so fortzulaufen.

»Wotan?« Er schnippte seine Zigarette weg, trat sie aus und hielt inne. Hatte er da nicht etwas gehört? Er blickte zurück auf den Weg, der, mit Baumstämmen befestigt, hinunter ans Flussufer führte. Nichts.

Vor ihm ragte das Plateau mit der Ruine auf. Bei ihrem Anblick fröstelte es ihn. Nebelschwaden hatten sich auf der Wiese ausgebreitet und hüllten die moosbewachsenen Steine des Turms in einen fahlen Schleier. Das Dämmerlicht hatte die Farben aus der Natur gewaschen, alles wirkte grau, trostlos und unheimlich. Er gestand es sich nur un- gern ein, aber der Schauder, der von ihm Besitz ergriff, kam nicht von der Temperatur. Er versuchte sich einzureden, dass es nur die Angst um seinen Hund war, denn er wagte gar nicht, sich auszumalen, was passiert sein könnte, wenn Wotan nicht in Richtung Auto, sondern zum Steilufer gelaufen war. Mühelos hätte er unter den Latten des Zauns dort hindurchschlüpfen können, um dann ... Gerade als er seinen Blick mit einer bösen Vorahnung in Richtung Abgrund wandte, hörte er ihn.

Es war ein ungewöhnlich aggressives Knurren, aber es kam zweifel- los von seinem Hund. Ohne zu zögern, rannte er los, achtete nicht auf die Äste, die ihm ins Gesicht peitschten, sprang über Wurzeln und welkes Laub, blieb stehen und lauschte, den Kopf geneigt, den Blick unbestimmt in die Dämmerung gerichtet. Da! Erneut ein Knurren. Es kam ... er kniff die Augen zusammen, als könne er so seine Sinne schärfen ... ja, es kam eindeutig von der Lichtung.

Aus der Richtung des Gedenksteins flog Erde und Laub in hohem Bogen auf die Lichtung. »Wotan!« Sein Hund scharrte wie verrückt in der Erde und knurrte den Waldboden an. Gar nicht auszudenken, was dieser Dreck auf den Polstern des neuen Autos anrichten würde. Nur noch Wotans Hinterteil ragte hinter dem Tuffstein hervor, dessen altertümliche Inschrift an die »Veste Alt-Kalden« erinnerte, eine mächtige Burg, die einst hier in Altusried gestanden hatte. Er erinnerte sich noch, dass irgendeine Katastrophe ihr ein jähes Ende bereitet hatte.

»Hör – jetzt – Auf!«, schrie er wutentbrannt, da das Tier nicht reagierte. Er stampfte dabei mit dem Fuß auf, was ein merkwürdig dump- fes Geräusch verursachte, als sei es unter der Grasnarbe hohl. Erschrocken hob der Dackel den Kopf, jaulte einmal kurz und kam auf ihn zu, da spürte der Mann einen Zug modriger Luft von unten, hörte das Krachen berstenden Holzes und fiel ins Bodenlose. Dann wurde es dunkel.

Finsternis und Kälte. Mehr nahm er zunächst nicht wahr, als er wieder zu sich kam. Doch sofort gesellten sich rasende Kopfschmerzen hinzu, ein Hämmern hinter der Schläfe, als wolle ihm jemand von innen den Schädel sprengen. Unwillkürlich fasste er sich an den Kopf, spürte ein feuchtes, warmes Rinnsal und wusste, auch ohne es zu sehen, worum es sich dabei handelte: Blut. Sein Blut.

Urplötzlich drängte sein Mageninhalt mit aller Gewalt nach oben, und er übergab sich heftig. Mit dem Handrücken fuhr er sich zittrig über den Mund. Er versuchte, seine Gedanken trotz des mörderischen Pochens in seinem Schädel zu sammeln. Was war passiert? Sein Spaziergang auf dem engen Waldweg zum Fluss fiel ihm wieder ein, der Aufstieg, die Ruine, der Stein, Wotans plötzliches Verschwinden ...

»Wotan?«

Jetzt erst bemerkte er das verzweifelte Bellen über sich. Er legte den Kopf in den Nacken, was das Hämmern in seinen Schläfen noch verstärkte. Oder war es die Tatsache, dass über ihm nichts war als undurch- dringliche Schwärze? Wie lange war ich weg? Er hatte keinerlei Gefühl für die Zeit, die seit seinem Sturz vergangen war. Sein Sturz! Hektisch tastete er seinen Körper ab. Er schien einigermaßen glimpflich davon- gekommen zu sein. Offensichtlich war nichts gebrochen, nur sein Schädel brummte erbärmlich. Doch die Erleichterung wurde sofort von einem beängstigenden Gedanken verdrängt: Wie sollte er hier je wieder rauskommen? Wotans Bellen klang, als käme es aus mindestens vier, fünf Metern Höhe. Der Hund musste an der Stelle stehen, wo er eingebrochen war, doch nicht ein einziger Lichtstrahl drang bis hier unten vor. Ächzend stand er auf, breitete die Arme aus und drehte sich mehrmals um die eigene Achse. Blind stolperte er ein paar Schritte nach links, bis er gegen eine feuchte Wand stieß. Seine Finger tasteten über behauene Steine. Er versuchte, sich an ihnen hochzuziehen, aber sie waren glitschig, und er fand keinen Halt. Verzweifelt ließ er sich zu Boden sinken und lehnte seinen malträtierten Kopf an die kühle Mauer. Was würde er jetzt für eine Zigarette geben. Er hielt inne. Die Streichhölzer! Aufgeregt kramte er sie aus seiner Hosentasche, schob die ver- beulte Packung vorsichtig auf und zündete eines an. Zuerst fiel sein Blick auf seine vom Dreck beinahe schwarzen Finger. Sie zitterten, als er das Hölzchen hob. Die Wände des Lochs schienen im flackernden Schein der Flamme einen schaurigen Tanz aufzuführen. Sein Verlies maß höchstens fünf auf fünf Meter, und ihm war sofort klar, dass er keine Chance hatte, sich aus eigener Kraft daraus zu befreien. Zu steil und glitschig waren die Wände. Er drehte sich noch ein Stückchen weiter, dann musste er das Streichholz fallen lassen, und es verlosch.

»Scheiße«, zischte er. Es waren vielleicht noch ein Dutzend Hölzer in der Packung. Er musste sie sich gut einteilen. Auch wenn es hier unten stockfinster war, schloss er die Augen, um sich das Bild, das er sich von dem Raum gemacht hatte, noch einmal in Erinnerung zu rufen. Plötzlich riss er sie wieder auf. »Das Gitter«, flüsterte er, zündete ein weiteres Streichholz an und hielt es mit ausgestreckter Hand nach vorn. Tatsächlich, er hatte sich nicht getäuscht: In die gegenüberliegende Wand war ein rostiges Gitter eingelassen. Er starrte so fasziniert darauf, dass er die Flamme ganz vergaß und erst wieder daran dachte, als sie ihm die Fingerkuppe ansengte. Doch er ignorierte den Schmerz, krabbelte zu dem Gitter und rüttelte mit aller Kraft daran. Er merkte schnell, dass es nicht lange dauern würde, bis er es aus seiner Verankerung herausgerissen hätte. Stück für Stück löste es sich aus der Mauer. In einer letzten Anstrengung zerrte er keuchend daran, biss die Zähne zusammen, als das rostige Metall in seine Finger schnitt – und riss es schließlich mit einem Krachen aus der bröckeligen Steinwand. Er warf es neben sich und entzündete ein weiteres Streichholz: Vor ihm tat sich ein etwa fünfzig Zentimeter hoher Gang auf, der in eine ungewisse Schwärze führte.

Er hielt kurz inne und faltete die Hände. Da er nicht wusste, welcher Schutzheilige für seine missliche Situation zuständig war, schickte er einfach ein kurzes Stoßgebet gen Himmel. Er bekreuzigte sich hastig und kroch hinein. Schon nach wenigen Metern jedoch bereute er seine Entscheidung: Der Gang war so eng und schwarz, dass sich die Panik wie ein enger, dunkler Mantel um ihn legte. Er holte hektisch ein weiteres Streichholz heraus. Er brauchte Licht, musste etwas sehen – und schrie auf. Direkt vor ihm, ausgestreckt auf dem Boden, lag ein Mensch. Das heißt: Das, was von ihm übrig war, denn er starrte direkt in die schwarzen Höhlen eines Totenschädels. Er erschrak so heftig, dass er das Streichholz fallen ließ, worauf er sofort ein neues entzündete. Der Schädel sah nicht so aus wie die Skelette, die er aus dem Fernsehen kannte. Dieser hier war nicht weiß, sondern dunkel, fast schwarz, und in seiner Stirn klaffte ein Loch. Er veränderte seine Haltung etwas, und das Licht der Flamme brach sich nun in Metall, offenbar Teile einer uralten Rüstung. Als er die knöchernen Überreste einer Hand sah, war seine Angst urplötzlich wie weggeblasen. Denn an einem der Finger prangte ein schillernder, blitzender Ring, dahinter lag ein mit Edelsteinen besetzter Armreif. In diesem Moment erlosch die Flamme wieder.

Mein Gott, ein Schatz, dachte er, kramte ein weiteres Hölzchen he- raus, nicht mehr darauf bedacht, es für seine beschwerliche Rückkehr an die Oberfläche aufzusparen. Er leuchtete den Boden ab, entdeckte die andere Hand, deren Fingerknochen auf etwas zu zeigen schienen. Und tatsächlich: In einem Spalt zwischen zwei Steinen steckte ein Messer, dessen Griff ebenfalls mit Edelsteinen besetzt war. Ohne nach- zudenken, griff er danach, zog es heraus, worauf sich einer der Mauersteine löste und einen Hohlraum freigab. Er entfernte noch weitere Steine aus der Wand, dann wurde es wieder finster.

Was kommt denn jetzt noch?, fragte er sich, streckte seine Hand im Dunkeln aus und fasste in das Loch. Er bekam etwas Weiches zu fassen, griff zu, merkte, dass darunter etwas Metallisches war, zog es heraus und zündete eines seiner letzten Streichhölzer an: Er starrte auf einen halb verfaulten Stofffetzen, der um etwas Großes, Metallisches geschlagen war. Sein Mund war trocken, als er den Stoff abzog – und einen selbst unter all dem Dreck golden schimmernden Gegenstand in Händen hielt, der über und über mit Edelsteinen besetzt war. Er wusste nicht genau, was es war, das er da in Händen hielt: Ein prächtiger Strahlenkranz ging von der Mitte aus, unten besaß es einen massiven Fuß, der ebenfalls aus Gold zu sein schien.

Fahrig suchte er im Dunkeln nach weiteren Gegenständen. Neben einigen Ringen ertastete er noch einen Kelch und zwei verzierte Arm- reifen. Er raffte seinen Fund zusammen, schlug alles notdürftig wieder in den Stoff ein und robbte damit weiter. Sein ganzes Denken kreiste nun nicht mehr um seinen Weg nach draußen, sondern um die geheimnisvollen Gegenstände. Wie sind sie hierhergekommen? Warum hat sie vor mir niemand entdeckt? Woher kommt das Loch in dem Totenschädel? Bin ich jetzt reich? Er merkte gar nicht, wie der Gang um ihn he- rum sich weitete, immer geräumiger wurde. Erst als er statt Erde feuchte Holzplanken spürte, hielt er inne. Er erhob sich ganz langsam und stand plötzlich wieder aufrecht. Wo bin ich bloß? Er kramte die Streichholzschachtel hervor. Nur noch ein Hölzchen befand sich da- rin. Er biss sich auf die Lippen: Das muss jetzt klappen. Atemlos stand er da, als sich die Flamme flackernd entzündete. Dann seufzte er er- leichtert. Er ahnte, wo er war.

Kaum eine halbe Stunde später atmete er wieder die klare, kalte Nachtluft. Der Gang hatte ihn in einen Hohlraum unter der Turmruine geführt, von dort hatte er sich mithilfe ein paar herumliegender Hölzer durch die brüchige Mauer einen Weg nach draußen gebahnt, wo Wo- tan winselnd einen Freudentanz um ihn herum vollführt hatte. Jetzt saß er in seinem Wagen und sog gierig den Rauch der Zigarette in seine Lungen. Seine neuen Polster waren ihm nun vollkommen egal. Er starrte nur ungläubig auf die Dinge, die er aus der Unterwelt mitgebracht hatte.

Jetzt musste er eine Entscheidung treffen.

 

Ein warmes Gefühl der Selbstzufriedenheit im Bauch sagte ihm, dass er den richtigen Entschluss gefasst hatte. Er lenkte seinen Wagen ziel- sicher durch die dunkle Kemptener Innenstadt. Außer den riesigen Köpfen auf den Wahlplakaten, die die Straßen säumten, war keine Menschenseele zu sehen. Als er anhielt und ausstieg, fiel sein Blick für einen Moment auf das Plakat in der Mitte des Rathausplatzes. Beim Anblick des dicken Mannes mit dem roten Kopf musste er grinsen. Dass ein Bayer Bundeskanzler werden könnte, schien selbst hier im Allgäu äußerst unwahrscheinlich. Doch die Wahl, für die er sich noch vor wenigen Stunden so brennend interessiert hatte, war ihm nun nicht mehr als einen flüchtigen Gedanken wert.

»Komm, Wotan«, zischte er, nahm die Sachen vom Beifahrersitz und betrat das Gebäude.

»Moment, Hunde ham da herin nix zu ...« Der junge Mann am Schreibtisch verstummte mitten im Satz. Seine Augen weiteten sich, als die verdreckte Gestalt mit dem blutverkrusteten Gesicht in den Schein der Lampe trat. Der Mann wurde begleitet von einem nicht minder schmutzigen Dackel.

»Kohler. Andreas Kohler mein Name, grüß Gott. Lassen Sie sich nicht von meinem Aussehen täuschen«, rief die Gestalt durch das Zimmer, lief zum Tresen und legte ohne weitere Erklärungen seine Fund- stücke darauf. »Ich glaub, ich hab da was für Sie.«

Dem jungen Beamten klappte der Kiefer nach unten. Er erhob sich langsam aus seinem Stuhl und ging auf den Tresen zu, wobei er die Gegenstände, die nun dort lagen, nicht aus den Augen ließ.

Kohler schätzte den Polizeibeamten auf etwa fünfundzwanzig Jahre, auch wenn ihn sein schütteres Haar älter wirken ließ. Der Polizist war schlank, und in seiner Uniform wirkte er sportlich. Als er den Tresen erreicht hatte, schluckte er und murmelte nur ein Wort: »Priml!«

»Aus Dietmannsried?« »Aus Dietmannsried.« »Andreas Kohler, richtig?« »Richtig.« Der Beamte tippte die letzten Angaben umständlich in die Schreib-

maschine ein, wobei er immer wieder fluchend unterbrach und mit Tipp-Ex auf dem Papier herummalte. Schließlich zog er den Bogen heraus und reichte ihn über den Tresen. »Gut, wenn Sie das Protokoll bitte hier unterschreiben, Herr Kohler.«

»Und wie geht es jetzt weiter?«

Der junge Beamte kratzte sich am Kopf. »Ehrlich gesagt: Das weiß ich nicht. Also, einen Schatz, das haben wir hier meines Wissens noch nie gehabt.«

»Aber ich krieg doch eine Belohnung?«

»Ja, sicher. Das steht Ihnen ja zu. Obwohl Sie die ja wohl gar nicht nötig haben.« Der Polizist grinste und deutete durch die Scheibe auf das nagelneue graue Auto, das vor der Wache im Schein einer Laterne parkte.

»Ja, schön, gell? Aber es gehört nicht mir.« Der Blick seines Gegenübers verfinsterte sich. »Ich meine, doch, doch, schon meins, aber ich bin Autoverkäufer

und fahre immer die neuesten Vorführwagen.« »Sie meinen, der wär zu verkaufen?« Kohler hob die Augenbrauen. Warum sollte er nicht auch noch ein

Geschäft machen, so ganz nebenbei, auf der Polizeiwache? Der Tag war ohnehin schon verrückt genug verlaufen. »Sind Sie interessiert?«

»Mei, schon. Käme halt auf den Preis an. Was ist es denn für ein Modell?«

»Ein Volkswagen. Der nagelneue Passat Variant – als Diesel. Ist erst seit ein paar Tagen auf dem Markt. Der hält ewig. Und ist sparsam obendrein.«

»Sparsam?« Der Polizeibeamte zog interessiert die Brauen hoch. »Sie verstehen Ihr Handwerk. Aber ewig muss er ja gar nicht halten, bloß ein paar Jahre.«

Der Autoverkäufer fischte mit seinen schmutzigen Fingern eine Visitenkarte aus dem Geldbeutel. »Rufen Sie mich einfach an.« Dann winkte er seinem Hund und ging.

Besten Dank an die Autoren für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Leseprobe aus "Kommissar Kluftinger - Schutzpatron".

 

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